Videokonferenz mit Simultanübersetzung

Checkliste:

Simultandolmetschen bei Videokonferenzen

Es wird Sie nicht überraschen, dass Simultandolmetscher für ihre Arbeit sehr guten Ton brauchen. Auch ein paar andere Dinge gilt es zu beachten. Hier haben wir die wesentlichen Voraussetzungen dafür zusammengestellt, dass die Simultanübersetzung bei Ihrer Videokonferenz zuverlässig funktioniert.

Vorbereitung


Wahl eines geeigneten Videokonferenz-Anbieters. Die meisten Webkonferenzen erlauben nur eine Sprache. Einige Systeme bieten mehrere Sprachkanäle. Wenn Sie schon mit einer bestimmten Plattform arbeiten, die nur einen Sprachkanal bietet, gibt es Workarounds. Sprechen Sie uns an.

Zeitplanung und Pausen. Webkonferenzen sind für Teilnehmer und Simultandolmetscher anstrengender als Präsenzveranstaltungen. Stellen Sie daher sicher, dass regelmäßige und ausreichend lange Pausen angesetzt und auch tatsächlich gemacht werden.

Vorbereiten der Teilnehmer. Sorgen Sie bei jedem einzelnen Teilnehmer dafür, dass folgende Dinge erfüllt sind: stabile Internetverbindung (möglichst LAN-Kabel statt WLAN verwenden, im Home Office möglichst kein anderes Gerät im Netz); Headset mit gutem Mikrofon oder externes Mikrofon verwenden (jedenfalls nicht das eingebaute Computermikrofon in einem halligen Raum); Teilnehmer sind mit der Video-Software vertraut (Stummschalten des Mikrofons, Ein- und Ausschalten der Kamera); Teilnehmergerät ist bereits so eingerichtet, dass Ton und Bild funktionieren.

Testen. Testen Sie die Videokonferenz vorab mit mehreren Beteiligten. Spielen Sie das komplette Szenario durch, mit den geplanten Sprachen und mit Übersetzung.

Host für die Videokonferenz benennen, der/die mit dem System vertraut ist und z. B. Teilnehmende mit Störgeräusch zentral stummschalten kann.

Vorbereitung der Dolmetscher. Stellen Sie unbedingt sicher, dass Sie den Dolmetschern vorab alle Informationen zur Verfügung stellen: Tagesordnung, Namen, Präsentationen und insbesondere alles, was bei der Sitzung abgelesen werden soll (z. B. Sprechzettel der Sitzungsleitung).

Netikette während der Videokonferenz


Moderation. Die Konferenz wird von einem technischen Moderator betreut, der bei Problemen ansprechbar ist und bei größeren Veranstaltungen auch per System das Wort erteilt.

Stummschalten. Alle Teilnehmer, die gerade nicht sprechen, schalten ihr Mikrofon auf stumm.

Verständlichkeit. Alle Teilnehmer verwenden ein Headset mit gutem Mikrofon oder ein gutes externes Mikrofon (jedenfalls nicht das eingebaute Computermikrofon in einem halligen Raum). Sie bemühen sich noch mehr als bei einer Präsenzveranstaltung darum, gut verständlich zu sein.

Namen nennen. Falls die jeweils sprechende Person nicht automatisch eingeblendet wird, hilft es, wenn alle vor ihrem Redebeitrag kurz ihren Namen nennen.

Für Ihre IT: Technische Voraussetzungen


Bild: Sowohl Redner und Präsentationen müssen auf ausreichend großen Bildschirmen zu sehen sein, die Redner lippensynchron.

Internetverbindung/Bandbreite: muss ausreichend sein,  pro Zuspielung (= Kanal für 1 Bildschirm und Audio) sind mindestens 4 Mbps Download-Geschwindigkeit notwendig. Die gängigen Internet-Anschlüsse zuhause oder im Büro reichen häufig nicht.

Frequenzbereich: Es müssen 125 Hz bis 15.000 Hz übertragen werden. Sämtliche Tonquellen, also Mikrofone, Kopfhörer, Computer etc., und Datenleitungen sollten diesen Frequenzbereich bieten. Für reines Zuhören reicht weniger. Beim Simultandolmetschen müssen die Dolmetscher aber über ihre eigene Stimme hinweg alles gut hören, weshalb auch hohe und tiefe Frequenzen notwendig sind.

Gehörschutz muss gewährleistet sein, z. B. gegen Rückkopplungen. Spitzen über 94db über 100 ms müssen automatisch abgeschaltet werden.

Mehrere Kommunikationskanäle sind notwendig: natürlich zwischen Teilnehmern und Dolmetschern, aber auch zwischen Dolmetschern und Techniker (Operator), zwischen Dolmetschen und Moderator bzw. Redner bei der Konferenz, zwischen den Dolmetschern untereinander, damit sie sich problemlos abwechseln und gegenseitig unterstützen können.

Mikrofone: Keines der verwendeten Mikrofone darf Nebengeräusche aufnehmen. Insbesondere ist die "Spinne" in der Bauart wie für frühere Telefonkonferenzen nicht geeignet. Nur das Mikrofon des jeweiligen Redners sollte eingeschaltet sein, alle anderen stumm.

Diese Checkliste für Remote Simultaneous Interpreting (RSI) - also Ferndolmetschen - beruht auf unseren eigenen Tests sowie unserer praktischen Erfahrung als Simultandolmetscher bei Videokonferenzen sowie ausführlicheren Hinweisen des Internationalen Verbands der Konferenzdolmetscher (aiic) und den einschlägigen ISO-Normen über Simultandolmetschanlagen.

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