| Die Rheinpfalz, 11. Juni 2007 Becks Heimspiel in Ruanda |
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In der fast vertrauten zentralafrikanischen Republik arbeitet der SPD-Vorsitzende an seinem außenpolitischen Auftritt![]() Kurt Beck mit Präsident Kagame und Dolmetscherin Stephanie Rosenberg (Foto aus privater Quelle ergänzt) Karin Dauscher Seine Reise nach Ruanda nutzte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Kurt Beck nicht nur für die Jubiläumsfeiern zur seit 25 Jahren bestehenden Partnerschaft beider Länder. Er nahm die Gelegenheit auch wahr, um an seinem Auftritt als Außenpolitiker zu feilen. A votre bonheur, alles Gute für Ihre Arbeit", ruft Kurt Beck einer Augenärztin im Krankenhaus in Ruli, Ruanda, zu. „Very nice" (sehr schön) ist sein Kommentar zur Kapelle auf dem Gelände. Dieses Einstreuen von Englisch und Französisch, dieser Anschein sprachlicher Weltläufigkeit, ist neu bei dem Ministerpräsidenten. Auf einer Reise in die USA vor fast zwei Jahren blieb Beck selbst bei kurzen Begrüßungs- und Dankesformeln konsequent in seiner Muttersprache. Damals hatte er neben dem Regierungsamt nur die Position als stellvertretender SPD-Chef inne und steckte mitten in den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU. Die außenpolitische Wirkung konnte ihm relativ egal sein, und das war sie letztendlich wohl auch. In den fünf Tagen Ruanda, seiner vierten Reise in das zentralafrikanische Land und der x-ten Begegnung mit dessen führenden Politikern, war das anders. 17 Journalisten haben ihn begleitet; er stand sozusagen unter Dauerbeobachtung - bis auf einen Tag, den er privat bei den Gorillas im ruandischen Nationalpark verbracht hat. Das Interesse ist verständlich, denn Beck ist inzwischen SPD-Chef und will Kanzler werden. Er muss sich mit Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) messen lassen, die seit Beginn ihrer Kanzlerschaft viel gelobt wird für ihre Auftritte auf internationalem Parkett. Beck dagegen erntete Kritik, als er während seiner Afghanistanreise vorgeschlagen hat, mit gemäßigten Taliban zu verhandeln. Auch Merkel hatte ihre Lehrjahre: Als sie 2002 in den USA gegen den Kurs des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder (SPD) wetterte, der ausgerechnet auf einer Wahlkampftour dem US-Präsidenten sein „Nein" zu einem deutschen Irak-Einsatz zugerufen hatte, war ihr das nicht als außenpolitische Kunst ausgelegt worden. Aber das spielt keine Rolle mehr. Vielleicht für Beck, der weiß, wie schnelllebig die Zeit ist - und wie lernfähig er selbst. Das Englisch ist ein Beispiel: Er arbeite daran, heißt es aus seinem Umfeld - und für die ersten Sätze nach der Begrüßung auf dem Flughafen durch Ruandas Premierminister Bernard Makuza reicht es. Dann erst ruft Beck seine bewährte Dolmetscherin Stephanie Rosenberg, in deren Übersetzungen so mancher aufwändig konstruierte Beck-Satz rhetorisch besser als in der Muttersprache klingt. Beck und Makuza kennen sich, seit der Premier Botschafter in Berlin war. Es ist ein vertrauter Umgang, höflich im Ton. Beck bringt der ruandischen Regierung Wertschätzung entgegen. Er würdigt, dass in Ruanda unter der Führung Paul Kagames Ruhe eingekehrt ist und der Prozess der Versöhnung zwischen den einst auf den Tod verfeindeten Hutus und Tutsis aktiv angegangen wird. Becks Hinweis, es sei „eben ein afrikanisches Land", ist eine diplomatische Formulierung dafür, dass die Demokratie Ruandas weit entfernt ist von europäischen Maßstäben. Doch Beck tritt nicht als Richter auf. Vielmehr erinnert er in seinen Reden und Ansprachen an die Nazi-Diktatur in Deutschland und zieht damit eine Parallele zum ruandischen Völkermord von 1994. „Wir haben keinen Grund, uns zu empören", sagt Beck an dem Abend, an dem er mit Journalisten zusammensitzt. Und er macht das, womit er so häufig seine Politikansätze erklärt, nämlich anhand eines menschlichen Schicksals. Er erzählt von einer ruandischen Frau, die in der Zeit nach dem Völkermord in einem Gottesdienst zum Altar gelaufen sei und gesagt habe, sie müsse erzählen, was sie getan habe. Es laste so auf ihr. „Meine Nachbarn wurden ermordet, dann kamen deren Kinder zu uns gerannt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Da habe ich sie auch tot geschlagen." Unschuldige Opfer hier, Schuld, Reue und Verzweiflung, die ganze Palette menschlichen Elends dort. Das war die Situation in Ruanda nach 1994. Rheinland-Pfalz hat sich entschieden, die Partnerschaft wieder fortzusetzen. Und wenn Beck nach einer holprigen Autofahrt, 70 Kilometer und zwei Stunden von der Hauptstadt Kigali entfernt, an dem Krankenhaus ankommt, das mit der Hilfe Ehrenamtlicher aus Kaiserslautern und mit Unterstützung des Landes gebaut wurde, dann wirkt seine Freude über das gemeinsam Erreichte ehrlich. Auf diesem Feld macht er Punkte gut. An der Seite von Staatspräsident Paul Kagame hat Beck eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen, die die Mainzer Stadtwerke für eine Million Euro auf einen Hügel nahe der Hauptstadt errichtet haben. Weil Energie in Ruanda fehlt, schafft Beck es mit dieser Veranstaltung auf die erste Seite der staatlich kontrollierten ruandischen Zeitung „New Times". In Europa macht der G-8-Gipfel zunächst ohne Beck Schlagzeilen. Da ist es auch wenig tröstlich, wenn die Ruander am folgenden Tag gleich noch einmal Beck auf dem Titelblatt sehen, wie er Staatspräsident Kagame den Landesverdienstorden überreicht. Angesteckt hat er ihm die Medaille nicht, obwohl es üblich ist. Es ist ein kleiner, dezenter Hinweis, dass beide Partner bei aller geäußerten gegenseitigen Wertschätzung nicht auf einer Augenhöhe verhandeln. Rheinland-Pfalz ist als Geldgeber, verglichen mit den USA etwa, unwichtig, und Kagame ist immerhin Chef einer Nation. Ein wenig scheint das Beck zu verunsichern, seine Sätze wirken in solchen Situationen fast kryptisch. Dann hilft auch keine Übersetzung mehr. Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße Ausgabe: Nr.132 Datum: Montag, den 11. Juni 2007 Seite: Nr.3 |
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